Filme und Fernsehserien beeinflussen Reiseentscheidungen noch lange nach der Ausstrahlung ihrer letzten Szenen. Laut aktuellen Untersuchungen im Tourismussektor gaben zwei Drittel der Befragten an, dass auf dem Bildschirm gezeigte Orte ihre Urlaubsplanung beeinflusst hätten. Damit ist Filmtourismus längst kein Nischenthema mehr, das nur besonders engagierte Fans anspricht. Im Jahr 2026 planen Reisende ganze Routen rund um historische Häuser aus Kostümdramen, Wüstenlandschaften, die als ferne Planeten dienten, Stadtviertel, die in fiktive Hauptstädte verwandelt wurden, und Hotels, die in Serien als luxuriöse Ferienresorts erscheinen. Besonders erfolgreiche Reiseziele bieten mehr als nur ein bekanntes Fotomotiv: Sie verbinden ihre Filmgeschichte mit Architektur, lokaler Kultur, Natur, Gastronomie und Erlebnissen, die auch für Menschen interessant sind, die die jeweilige Produktion nie gesehen haben.
Filmtourismus funktioniert, weil Filme und Serien einem zuvor unbekannten Ort bereits vor der Reise eine emotionale Bedeutung verleihen. Eine steinerne Treppe ist nicht mehr nur Teil einer alten Stadt, wenn Millionen Menschen sie mit einer entscheidenden Szene verbinden. Eine abgelegene Wüste lässt sich leichter als Reiseziel vorstellen, nachdem sie auf dem Bildschirm den Mars oder eine andere fiktive Welt dargestellt hat. Diese Vertrautheit kann die Unsicherheit bei der Wahl eines Reiseziels verringern. Zuschauer erkennen die Landschaft wieder, kennen ihre Atmosphäre und haben einen konkreten Grund, sie anderen möglichen Zielen vorzuziehen.
Streamingdienste haben diesen Effekt verstärkt, da Filme und Serien heute über Jahre hinweg verfügbar bleiben und ihre Wirkung nicht mehr auf einen Kinostart oder einen festen Fernsehtermin beschränkt ist. Bridgerton lenkt mit jeder neuen Staffel erneut Aufmerksamkeit auf Bath, während Game of Thrones trotz seines Endes im Jahr 2019 weiterhin Touren in Kroatien und Nordirland unterstützt. Noch länger wirkt der Einfluss der Filme von Der Herr der Ringe: Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Kinostart des ersten Teils unterhält Neuseeland weiterhin dauerhafte Attraktionen, gekennzeichnete Drehorte und spezielle Reiserouten rund um Mittelerde.
Die erfolgreichsten Reiseziele haben vorübergehende mediale Aufmerksamkeit in eine dauerhafte touristische Infrastruktur verwandelt. Einige bewahren vollständige Kulissen, während andere geführte Rundgänge, Ausstellungen, Karten oder Präsentationen mit Informationen hinter den Kulissen anbieten. Auch lokale Unternehmen passen ihr Angebot an und organisieren thematische Touren, gastronomische Erlebnisse und Transfers zwischen einzelnen Drehorten. Davon kann eine ganze Region profitieren und nicht nur eine einzige Sehenswürdigkeit. Gleichzeitig entstehen jedoch neue Belastungen. Beliebte Straßen, Strände und historische Gebäude wurden nicht dafür gebaut, täglich große Besuchergruppen aufzunehmen. Deshalb gehört die Steuerung der Besucherströme im Jahr 2026 zu den wichtigsten Aufgaben des Filmtourismus.
Bath ist eines der deutlichsten britischen Beispiele dafür, wie eine historische Stadt durch eine Fernsehserie ein neues Publikum erreicht. Die georgianischen Terrassen, halbkreisförmigen Gebäudereihen und öffentlichen Bauwerke dienen in Bridgerton als Kulisse für das London der Regency-Zeit. No. 1 Royal Crescent wurde als Außenansicht des Hauses der Familie Featherington genutzt, während das Holburne Museum den Wohnsitz von Lady Danbury darstellte. Der gepflasterte Platz Abbey Green erschien als Umgebung des Modegeschäfts Modiste. Auch Pulteney Bridge, Bath Street und die Guildhall wurden für die Produktion verwendet. Da die meisten Orte relativ nah beieinanderliegen, lässt sich die Stadt gut zu Fuß erkunden.
Dubrovnik wurde international mit Königsmund verbunden, nachdem die Stadt von der zweiten bis zur achten Staffel von Game of Thrones als wichtigster Außendrehort der fiktiven Hauptstadt diente. Die Festung Lovrijenac stellte Teile des Roten Bergfrieds dar, während die Stadtmauern Panoramablicke auf Königsmund ermöglichten. Bereiche der Altstadt waren in Prozessionen, Auseinandersetzungen und Marktszenen zu sehen. Zu den weiteren wichtigen Drehorten gehören die Hauptstraße Stradun, die Jesuitentreppe, das Pile-Tor und das außerhalb der Stadt gelegene Arboretum von Trsteno. Die Verbindung zur Serie ist weiterhin wirtschaftlich bedeutend. Geführte Rundgänge kombinieren Produktionsgeschichten mit der Geschichte der ehemaligen Republik Ragusa.
Taormina und mehrere weitere sizilianische Städte erhielten nach der zweiten Staffel von The White Lotus neue internationale Aufmerksamkeit. Der San Domenico Palace, der heute von Four Seasons betrieben wird, bildete die zentrale Hotelkulisse. Die Straßen von Taormina, die Küste und der Blick über das Ionische Meer prägten die Atmosphäre der Serie. Die Produktion nutzte außerdem Drehorte in Cefalù, Noto und Palermo. Dadurch können Reisende eine längere Route durch Sizilien planen, anstatt sich auf einen einzigen Ferienort zu beschränken. Die Serie hat den Tourismus in Taormina nicht geschaffen, aber sie hat das Reiseziel Zuschauern vorgestellt, die Sizilien zuvor vor allem mit älteren Filmen wie Der Pate verbanden.
Die dritte Staffel von The White Lotus verlagerte die Aufmerksamkeit von Sizilien nach Thailand und wurde zu einem der bekanntesten aktuellen Beispiele für serienbezogenen Tourismus. Das auf dem Bildschirm gezeigte fiktive Resort bestand nicht aus einem einzigen Hotel. Das Four Seasons Resort Koh Samui diente als wichtigste Kulisse, während das Anantara Bophut Koh Samui, das Anantara Lawana Koh Samui, die Anantara Mai Khao Phuket Villas und das Rosewood Phuket weitere Empfangsbereiche, Restaurants, Gärten und Wellnessbereiche bereitstellten. Auch Bangkok und mehrere Küstenorte waren zu sehen. Wer die Schauplätze der Serie besuchen möchte, muss daher zwischen Koh Samui, Phuket und der Hauptstadt reisen, anstatt nur ein bestimmtes Hotel zu buchen.
Eine weitere bedeutende Gelegenheit für den Filmtourismus erhielt Thailand durch Jurassic World: Die Wiedergeburt, der 2025 veröffentlicht wurde. Anschließend stellte die thailändische Regierung zehn Drehorte in den Provinzen Krabi, Trang und Phang Nga vor, die von Besuchern mit Interesse an der Produktion bereist werden können. Dazu gehören der Wasserfall Huay To, Klong Rud, die Höhle Tham To Luang, Khao Khanab Nam, Khao Ngon Nak, Koh Kradan und die Bucht von Phang Nga. Anders als bei eigens errichteten Attraktionen handelt es sich dabei um natürliche Landschaften mit eigenen Zugangsbedingungen und Schutzvorschriften. Ihr besonderer Reiz liegt in der Verbindung zwischen einer aktuellen Filmproduktion und Wasserfällen, Kalksteinformationen, Inseln, Höhlen und Küstenlandschaften.
In Kanada verwandelte The Last of Us bekannte Gebiete in Alberta in eine postapokalyptische Version der Vereinigten Staaten. Für die erste Staffel wurden mehr als 180 Drehorte in der Provinz genutzt, darunter das Zentrum von Calgary, Edmonton, Fort Macleod, Canmore, der Waterton-Lakes-Nationalpark und kleinere Gemeinden im Süden Albertas. Calgary stellte Teile von Boston dar, Fort Macleod wurde zu Austin und das Parlamentsgebäude von Alberta diente als Massachusetts State House. Ausgewählte Landschaften Albertas erschienen auch in der zweiten Staffel, darunter Exshaw, der Highway 1A und Fortress Mountain. Aufgrund der großen Entfernungen eignet sich diese Route eher für eine Rundreise mit dem Auto als für einen kompakten Stadtrundgang.
Neuseeland hat rund um Der Herr der Ringe und Der Hobbit eines der umfassendsten Netze für Filmtourismus weltweit aufgebaut. Für die Produktionen wurden mehr als 150 Orte auf der Nord- und Südinsel genutzt. Der bekannteste ist das Hobbiton Movie Set in der Nähe von Matamata. Die Kulisse wurde für Der Hobbit dauerhaft wiederaufgebaut und umfasst heute Hobbithöhlen, Gärten, die Mühle und das Gasthaus Zum Grünen Drachen. Zu den weiteren zugänglichen Drehorten gehören die Tawhai Falls im Tongariro-Nationalpark, Mount Victoria in der Nähe des Zentrums von Wellington und der Kaitoke Regional Park, der Bruchtal darstellte. Besucher sollten berücksichtigen, dass viele Landschaften digital verändert wurden und daher nicht jede Aussicht exakt so aussieht wie im Film.
Das Wadi Rum in Jordanien stellte bereits mehrere unterschiedliche Welten dar, ohne dabei seine eigene Identität zu verlieren. Die Sandsteinberge, offenen Täler und roten Wüstenflächen waren unter anderem in Lawrence von Arabien, Der Marsianer, Rogue One: A Star Wars Story, Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers, Aladdin, Dune und Dune: Part Two zu sehen. Einige Produktionen nutzten die Wüste als Darstellung des Mars, andere als fiktiven Planeten oder historische Landschaft. Heute reisen Besucher in der Regel gemeinsam mit lokalen Beduinenführern per Geländewagen, zu Fuß oder auf einem Kamel durch das Schutzgebiet. Häufig wird die Route mit einer Übernachtung in einem Wüstencamp und einer Beobachtung des Sternenhimmels verbunden.
Nordirland bietet eine weitere bedeutende Game-of-Thrones-Route, die sich deutlich von den städtischen Drehorten Dubrovniks unterscheidet. Castle Ward stellte Winterfell dar, die Dark Hedges wurden zur Königsstraße und Küstenorte wie Ballintoy Harbour und die Höhlen von Cushendun waren in Szenen aus verschiedenen Teilen von Westeros zu sehen. Die Game of Thrones Studio Tour in Banbridge ergänzt diese Außenorte durch Originalkulissen, Kostüme und Requisiten. Eine Kombination aus dem Studio und der Causeway Coast vermittelt Besuchern einen guten Eindruck davon, wie Naturlandschaften, gebaute Kulissen und visuelle Effekte zu einer einzigen fiktiven Welt zusammengefügt wurden.

Im ersten Schritt sollte geklärt werden, ob eine Szene an einem realen öffentlich zugänglichen Ort, in einem privaten Gebäude, in einem Studio oder durch eine Kombination aus mehreren Schauplätzen entstanden ist. Durch den Filmschnitt können Gebäude, die Hunderte Kilometer voneinander entfernt liegen, wie Teile eines einzigen Anwesens wirken. Das Resort aus The White Lotus in Thailand ist ein deutliches Beispiel dafür. Auch viele Innenaufnahmen von Game of Thrones entstanden in Studios, obwohl die Außenaufnahmen in Dubrovnik gedreht wurden. Wer diese Unterschiede vor der Reise prüft, vermeidet unrealistische Erwartungen und kann Zeitaufwand sowie Transport besser einschätzen.
Aktuelle Zugangsbedingungen sollten immer direkt vor der Buchung kontrolliert werden. Museen, Herrenhäuser und Studiotouren können an bestimmten Wochentagen geschlossen sein oder Eintrittskarten mit festem Zeitfenster verlangen. Luxushotels erlauben möglicherweise Restaurantreservierungen, aber keinen freien Zugang zu den Bereichen für Übernachtungsgäste. Natürliche Drehorte können durch Wetterbedingungen, Wegarbeiten, Waldbrandgefahr oder Naturschutzmaßnahmen eingeschränkt sein. Saisonale Bedingungen spielen besonders in Alberta, im Wadi Rum, in den neuseeländischen Nationalparks und in den thailändischen Küstenprovinzen eine Rolle. Hitze, Schnee oder starke Regenfälle können das Reiseerlebnis dort erheblich verändern.
Eine sinnvoll geplante Route sollte den Bezug zu Film oder Fernsehen als einen Bestandteil des Reiseziels betrachten und nicht als einzigen Reisegrund. Zwei oder drei Bridgerton-Drehorte lassen sich mit den Römischen Bädern von Bath und der Architekturgeschichte der Stadt verbinden. Eine Route durch Dubrovnik kann die maritime Vergangenheit der Stadt und Ausflüge zu nahe gelegenen Inseln einbeziehen. Ein Besuch im Wadi Rum sollte auch die Kultur der Beduinen und die archäologische Bedeutung der Region berücksichtigen, anstatt die Wüste ausschließlich als Kulisse für Science-Fiction-Filme zu betrachten. Ein solcher Ansatz macht die Reise vielseitiger und verhindert Enttäuschungen, wenn der eigentliche Drehort weniger Zeit beansprucht als erwartet.
In vielen Stadtvierteln, die auf dem Bildschirm zu sehen sind, leben und arbeiten weiterhin Menschen. Abbey Green in Bath, die Altstadt von Dubrovnik und zentrale Straßen in Calgary sind keine dauerhaften Filmkulissen. Besucher sollten Eingänge freihalten, nicht durch die Fenster von Wohnhäusern fotografieren und die Regeln in Kirchen, Museen und privaten Gebäuden beachten. Ein Besuch am frühen Morgen oder am späten Nachmittag kann den Andrang an kleinen städtischen Drehorten verringern. Reisen außerhalb der Hauptsaison sorgen häufig für ein ruhigeres Erlebnis und verteilen die Einnahmen aus dem Tourismus über einen längeren Zeitraum.
Natürliche Drehorte benötigen besondere Rücksichtnahme, da eine hohe Besucherzahl genau jene Eigenschaften beschädigen kann, die sie für Filmproduktionen interessant gemacht haben. In Nationalparks sollten markierte Wege nicht verlassen, Abfälle mitgenommen und Drohnen nur dort eingesetzt werden, wo die örtlichen Vorschriften dies erlauben. Im Wadi Rum unterstützt die Buchung eines zugelassenen lokalen Führers eine sichere Reise durch die Wüste und sorgt dafür, dass ein größerer Teil der touristischen Einnahmen in der örtlichen Gemeinschaft bleibt. Wasserfälle, Höhlen und Inseln in Thailand, die mit Jurassic World: Die Wiedergeburt verbunden sind, sollten entsprechend den aktuellen Regeln der jeweiligen Nationalparks besucht und nicht als frei zugängliche Fotosets behandelt werden.
Filmtourismus entfaltet seinen größten Wert, wenn er Reisende zu einem umfassenderen Verständnis eines Ortes führt. Filme und Serien können ein Reiseziel bekannt machen, doch die Geschichte, Landschaften und lokalen Gemeinschaften entscheiden darüber, ob die Reise auch nach dem bekannten Erinnerungsfoto bedeutungsvoll bleibt. Im Jahr 2026 verbinden gut geplante Reisen zu Drehorten verlässliche Informationen mit realistischen Zeitplänen, Rücksicht auf öffentliche und private Bereiche sowie Interesse an dem, was außerhalb des Filmbildes liegt. Dieses Gleichgewicht ermöglicht es beliebten Orten, von weltweiter Aufmerksamkeit zu profitieren, ohne auf die Rolle einer Kulisse für fiktive Welten reduziert zu werden.